Kongress 2017

Wolfsburger Kongress für frühkindliche Bildung

KITAS FÜR WELTKINDER – ERZIEHUNGSPARTNERSCHAFT IN UNRUHIGEN ZEITEN

am 19./20 Mai 2017 in Wolfsburg

Vielfalt und Unterschiedlichkeit

Kinder kommen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in die Kitas. Die Gründe liegen überwiegend im sozialen Umfeld. In jüngster Zeit stellen Kinder mit einer Flüchtlingsbiografie  ErzieherInnen vor neue Aufgaben.  Die Diskussion um eine inklusive Erziehung und Bildung verweist ebenfalls auf ein neues Arbeitsfeld. Wie auch immer die Alltagssituation einer Kita aussehen mag, es kommt entscheidend darauf an, ob es den ErzieherInnen gelingt, eine Beziehung zu den Kindern und ihren Eltern aufzubauen und zu gestalten. Emotionale Zuwendung verbunden mit vielfältigen Anregungen sind entscheidende Aspekte für eine gute Entwicklung.

Erziehungspartnerschaft

Die Realisierung einer  Erziehungspartnerschaft zwischen Kitas und Familien stellt eine große Herausforderung dar. ErzieherInnen sollten über eine interkulturelle Kompetenz verfügen bzw. diese anstreben.  Die Kommunikation mit den neuen Fremden ist oft nicht einfach. Gleichzeitig liegt in dem Versuch, sich über Erziehungsprozesse zu verständigen, eine große Chance für alle Beteiligten. Es gilt daher Begegnungsformen zu entwickeln, die ein gutes Miteinander ermöglichen. Es kommt auf ein kreatives Zusammenspiel an. Das Gelingen ist von gegenseitiger Wertschätzung abhängig.

Auf ein gutes Zusammenspiel kommt es an

Nehmen wir uns ein Beispiel am Spiel der Kinder. Im Spiel machen sie Entdeckungen, müssen aufeinander eingehen, etwas versuchen, Absprachen treffen, Ziele formulieren, Regeln entwickeln und einhalten. Wenn das Spiel gelingt, so ist es für alle Beteiligten ein erfreuliches Erlebnis.

Wie kann dass Zusammenspiel mit Eltern aussehen, die aus verschiedenen Ländern und Kulturen zu uns kommen? Es ist zunächst zu akzeptieren, dass wir ohne gemeinsame Sprache sind. Die meisten Flüchtlingsfamilien sprechen unsere Sprache nicht. Auch für Erzieherinnen ist die Sprache der Ankommenden fremd. Das ist der Punkt der Gemeinsamkeit – die Schnittmenge –  bei allen Unterschieden, die es sonst geben mag. Diese grundlegende Einsicht könnte eine Entwicklung ermöglichen, bei der die Sprechversuche nicht primär als Belastung, sondern als eine Form gegenseitiger Weiterentwicklung erlebt werden können.

ErzieherInnen und  Eltern befinden sich in einer Situation, in der sie sich in der ersten Phase oft nur über Mimik, Gestik und wenige Wörter  verständigen können. Missverständnisse sind möglich und gehören dazu. Aber jeder kleine Fortschritt im gegenseitigen Verstehen kann für alle Betroffenen eine große Freude bedeuten. Im gemeinsamen Bemühen liegt die Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Gegenseitige Wertschätzung und Geduld auf beiden Seiten ist eine wesentliche Bedingung für das Gelingen einer Erziehungspartnerschaft.

Innere Sicherheit und Erziehungspartnerschaft

Für die Entwicklung einer inneren Sicherheit sind neben dem Erwerb der Sprache die vielen Formen des Gestaltens von großer Bedeutung. Dazu gehören: Tanz, Musik und künstlerisches Gestalten, freies Spiel, Rollenspiele, Bewegung sowie das Erforschen und Entdecken von Naturphänomenen. Sie alle ermöglichen Kommunikation im und beim gemeinsamen Tun. Dass dies für den Umgang mit Kindern gilt, gehört zu unserem Grundverständnis. Wenn ErzieherInnen solche Formen auch im Rahmen ihrer Elternarbeit pflegen, so tragen sie dazu bei, dass auch Eltern ein Grundvertrauen entwickeln können. Aus diesem Grunde enthält dieser Kongress viele praktische Elemente.

Die Erfahrungen zeigen, dass die meisten Kinder unsere Sprache sehr schnell lernen, wenn sie die Kita als sicheren Ort erleben, wenn sie spüren, dass Erzieherinnen auf ihre Bedürfnisse achten und diese auch berücksichtigen. Fühlen sich auch die Eltern verstanden und einbezogen, dann wird diese Erfahrung verstärkt. Es wird Situationen geben, in denen Sprachvermittler unbedingt erforderlich sind. Hier liegt ein Aufgabenfeld für die Träger von Kindertageseinrichtungen.

Erwartungen und Bedingungen

Die Erwartungen an die Leistungsfähigkeit der Beschäftigen in einer Kita sind enorm hoch. Vor diesem Hintergrund sollen Fragen der Qualität und der Rahmenbedingungen  diskutiert werden.

 

 

 

 

Dr. Karl Gebauer, Kongressleitung
Foto: Wolfgang Schmidt